Russische Föderation

Medien in der Russischen Föderation

Allgemeines

Im 21. Jahrhundert ist das Fernsehen einer der wichtigsten Teile des Alltagslebens geworden. Es bietet Information und Unterhaltung per Tastendruck. In Russland gibt es Dutzende analoge und digitale Kabel- und Satellitenfernsehkanäle. Aber in den entlegenen Regionen des Landes, z.B. in Sibirien, können die Menschen nur zwei föderale Kanäle - das Erste und Rossija-1 - und regionale Kanäle empfangen.

Seit 1991, als die sowjetische Epoche zu Ende war, hat sich die russische Fernsehindustrie wesentlich verändert. Damals gab es nur die staatlichen Sender. Alle Filme, Rundfunk- und Fernsehprogramme wurden von Staatsbehörden produziert. Das Fernsehen wurde völlig aus dem Staatshaushalt finanziert, Werbung existierte auch nicht. Nur zwei allgemeine Nationalkanäle hatten eigene Sendungen. Es gab auch keine Institutionen für die Erteilung von Genehmigungen für die privaten Sender oder die Untersuchung der Öffentlichkeit und Zuschauergewohnheiten.

In den 1990er Jahren entwickelten sich in Russland mehrere teils landesweite private Fernsehsender, die auch unabhängige und auch kremlkritische Informationssendungen im Programm hatten. Zu Beginn der 2000er Jahre gerieten jedoch die landesweit empfangbaren Sender unter die indirekte Kontrolle des Staates oder wurden geschlossen und durch staatliche Sender ersetzt.

Heute sieht das Fernsehen in Russland ganz anders aus. In diesem Bereich arbeiten mehr als 500 nicht-staatliche Sender. In großen Städten gibt es mindestens einen oder mehrere private Sender, die miteinander konkurrieren. Das Programm besteht aus verschiedenen heimischen und ausländischen Sendungen.

Die privaten Sender stellen die Zuschauer z.B. vor die Alternative, welche Nachrichten sie sehen wollen. Die meisten regionalen Sender produzieren eigene Sendungen und ihre Nachrichten sind auch regional orientiert. Etwa ein Drittel der Zuschauer sehen in der Primetime private Kanäle.

Der Werbemarkt in Russland wird von drei Werbe-Brokern auf nationaler Ebene kontrolliert, sie verkaufen ausschließlich zusammen die Rechte an Werbezeit aller großen nationalen Sender und Netzwerke. Die Broker bekommen einen großen Prozentsatz der Werbeeinnahmen. Die nationalen Kanäle und Netze beschäftigen alle professionellen Marktforschungsunternehmen. Ihre Dienste werden nun von Werbekunden als Maß für die Popularität der einzelnen Programme verwendet und sie spielen die Hauptrolle in den Verhandlungen zwischen Medien und ihren Partnern.

Seit 2006 haben einige Sender mit der Signalübertragung über digitale Satellitenkanäle begonnen. Es gibt ernsthafte Versuche, mit erheblichen Investitionen die Dienstleistungen von Direct Broadcast Satellite (DBS) in Russland zu starten.

Anfang der 90er Jahre hat die Regierung drastisch die Finanzierung der heimischen Filmproduktion reduziert, so dass ein Großteil der Sendungen im russischen Fernsehen aus ausländischen Quellen kam. Aber dank der wachsenden Werbeeinnahmen können die Kanäle sich in den letzten fünf bis sechs Jahren nicht nur ausländische Filme und Sendungen leisten, sondern auch in die Produktion von inländischen Programmen investieren. Der Anfang des 21. Jahrhunderts erwies sich als sehr fruchtbare Zeit dafür. Das russische Fernsehen und Kino entwickelt sich sehr schnell, man dreht High-Budget-Filme, Shows und dramatische Serien.

Perwy Kanal (früher – ORT, Öffentliches Russisches Fernsehen) ist ein staatlicher Fernsehsender in Russland. Der Hauptsitz befindet sich unweit des Moskauer Ostankino-Turms. Perwy Kanal sendet ein TV-Vollprogramm. Über das digitale Kabelfernsehen und den Fernsehsatelliten Hot Bird 6 ist eine internationale Version des Senders auch in Deutschland empfangbar. Offiziell kontrolliert die russische Regierung 51 Prozent der Aktien des Senders, 49 Prozent sind in privatem Besitz.

Im Bereich der politischen Berichterstattung verfolgt der Kanal einen kremlfreundlichen Kurs. Perwy Kanal ist landesweit der Sender mit der größten Reichweite und kann von 99,8 Prozent der russischen Bevölkerung empfangen werden, die wöchentliche Zuschauerschaft beim Sender erreicht über 80 Prozent der Bevölkerung. Bei einer Erhebung 2013 belegte er auch bei der Zahl der Zuschauer mit knapp 14 Prozent landesweit den ersten Platz, was seine herausragende Stellung unter den russischen Medien verdeutlicht.

WGTRK (auf Deutsch: „Allrussische Staatliche Fernseh- und Radiogesellschaft“) ist eine staatliche Medienholding-Gesellschaft in Russland. Als Nachfolger des sowjetischen Gosteleradio ist sie im Bereich von Fernsehen und Rundfunk und in den Internetmedien vertreten. Mit Hilfe dieser Gesellschaft kontrolliert der Kreml einen Großteil des Fernsehens und des Rundfunks. Er unterhält in Russland landesweit 80 Regionalsender, die in Regionalfenstern in das landesweite Programm eingeblendet werden.

Die Mediengruppe hat viele Kanäle, einer der wichtigsten ist Rossija-1. Nach dem Putsch von 1991 wurde Kanal 2 offiziell geschlossen und RTR (später – Rossija-1) hat seinen Platz im Prozess der Trennung von Gosteleradio und dem Erwerb eigener Gebäude, Personal und Ausrüstung eingenommen. Deshalb musste der Kanal seine kommerzielle Aktivität starten und Werbung zeigen. Die Kosten für die Werbung auf dem staatlichen Kanal sind zurzeit so hoch wie auf privaten Kanälen (während der Primetime kostet eine Minute über 100.000 USD).

Der landesweite Marktanteil des Kanals Rossija-1 auf dem russischen TV-Sektor betrug laut einer Erhebung 2013 über 13 Prozent, womit er hinter Perwy Kanal auf Rang 2 liegt. 98,5 Prozent der russischen Bevölkerung können Rossija-1 empfangen, über 75 Prozent haben bei einer Umfrage 2006 den Sender mindestens wöchentlich eingeschaltet, womit der Sender auch in diesen beiden Disziplinen landesweit auf Rang 2 liegt. 50 Millionen Menschen im CIS (Commonwealth of Independent States) und Osteuropa schauen ihn.

Zurzeit gibt es über 80 (laut den Zahlen der russischen Regionen) Tochterfernsehstationen von WGTRK im ganzen Land. Die meisten von ihnen sind selbstständig und haben eigene Sendungen von ein bis vier Stunden pro Tag auf eigenen lokalen Fernsehsendern oder zweieinhalb Stunden pro Tag auf Kanal Rossija-1. Diese lokalen Gesellschaften sind die ehemaligen örtlichen Unternehmen von Gosteleradio. Die lokalen Gesellschaften werden von WGTRK geleitet und sind oft eng mit der lokalen Regierung verbunden. Wie auf der föderalen Ebene sind die lokalen staatlichen Fernsehgesellschaften oft Schauplatz des politischen Kampfes zwischen der lokalen Exekutive und der Legislative. Die lokalen staatlichen Fernsehgesellschaften bilden ihren Haushalt auch mit den Subventionen von WGTRK. Darüber hinaus verkaufen diese Gesellschaften kommerzielle Werbung im direkten Wettbewerb um die Werbungsgeber mit den lokalen Nicht-Regierungs-Sendern. Die lokalen Kanäle produzieren in der Regel die Nachrichtensendungen und auch verschiedene Informations- und Kultursendungen.

In jeder größeren Stadt Russlands gibt es auch einige lokale Nicht-Regierungs-Fernsehsender. In einigen Städten empfangen Zuschauer bis zu zwölf verschiedene Kanäle. Diejenigen, die sich eigene Satelliten-Schüsseln leisten können (vor allem in den großen Städten), haben eine noch größere Auswahl, darunter auch ausländische Programme.

Neue Sender erscheinen natürlich überall in Russland auf VHF und UHF-Frequenzen, sowie über Kabel und Satellit. Die Zahl der Nicht-Regierungs-Fernsehsender in Russland schwankt von Jahr zu Jahr und man zählt heute einige hundert Sender. Die Daten des Föderalen Amtes für Radio- und Fernsehsendung sind nicht genau, da einige Sender, die Lizenzen erhalten haben, sie nie genutzt haben, während andere die Lizenzen nie erhalten haben, aber trotzdem senden. Das machen vor allem die Kabelnetzbetreiber. In einigen Städten wurden zwei oder mehr Sendelizenzen für eine einzelne Frequenz ausgegeben und die Sender senden zu bestimmten Tageszeiten oder an bestimmten Wochentagen. Viele dieser Sender strahlen über einen Kanal aus und werden auch als solche vom Föderalen Amt für Radio- und Fernsehsendung angesehen, auch wenn sie nur ein paar Stunden in der Woche senden.

Heute nutzen die russischen TV-Sender DVCAM und Betacam und verwenden auch non-linearen Schnitt.

In Russland gibt es staatliche, private und teilweise private Medien. Man zahlt keine Mediengebühr, die Staatsmedien erhalten Geld vom staatlichen Budget und von der Werbung. Private Redaktionen können auch Geld vom Staat bekommen, wenn sie wichtige offizielle Informationen (z.B. neue Gesetze) veröffentlichen.

In Irkutsk gibt es viele Zeitungen, die privat sind, z.B. Vostochno-Sibirskaia Pravda, Piatnitsa, SM-Nomer odin. Eine regionale Zeitung, die vom regionalen Parlament gegründet wurde, ist Oblastnaia gazeta. Es besteht die Tendenz, dass große Unternehmen eine eigene Zeitung besitzen. Es ist billiger als ein eigener Fernsehsender, und bringt sehr viel: Man kann wichtige Informationen verbreiten, ohne viel Geld dafür zu bezahlen.

In Russland gibt es auch staatliche und private Zeitungen. Viele von ihnen haben regionale Redaktionen, die sich in den Städten befinden. Fast in jeder großen Stadt gibt es Redaktionen von Kommersant, AIF, Trud etc. Sie sind privat oder teilweise privat.

Beim Fernsehen sieht die Situation ähnlich aus: Es gibt TV-Stationen, die vom Staat finanziert werden (AS Baikal TV, AIST), und staatliche (regionale Abteilung von Rossia-1). Viele große TV-Kanäle haben eigene regionale Korrespondenten, um Informationen aus allen Gebieten zu bekommen.

Fernsehen

Staatliche Sender

Weitere Sender

  • NTV (http://www.ntv.ru/) (gehört der Mediaholding Gazprom-Media)
  • ZVEZDA (www.tvzvezda.ru)
  • OTR: offentlich-rechtlicher Fernsehsender für Russland (https://otr-online.ru/)
  • Dozhd (https://tvtrain.ru/) (privater Sender)
  • Tsargrad TV (https://tsargrad.tv/) gehört dem Oligarchen Konstantin Malofejew
  • TV ZENTR (www.tvc.ru) (Moskauer Fernsehsender)
  • STS (www.ctc-tv.ru) (kontrollierender Aktionär ist die Mediaholding CTC-Media - Leading Independent Broadcasting Company)
  • DOMASHNIJ (www.domashny.ru) (kontrollierender Aktionär ist die Mediaholding CTC-Media - Leading Independent Broadcasting Company)
  • DTV-Viasat (www.dtv.ru) (nach Rebranding im Jahr 2011, Umbenennung; seit 17. Oktober 2011 neuer Name: PEREZ (peretz.ru); kontrollierender Aktionär ist die Mediaholding CTC-Media - Leading Independent Broadcasting Company)
  • TNT (www.tnt-tv.ru) (gehört der Mediaholding Gazprom-Media)
  • REN-TV (www.ren-tv.com)
  • RBC (www.rbctv.ru) (gehört der Mediaholding RBC, kontrollierender Aktionär ist die ONEKSIM Group bzw. Michail Prochorow)
  • YOU (früher – MUZTV) (http://u-tv.ru/) (gehört der russischen Mediaholding United Television Holding Russia bzw. Iwan Tawrin und Alischer Usmanow)
  • PJATNIZA (früher - MTV Rossiya) (http://www.friday.ru/) (gehört der Mediaholding Gazprom-Media)
  • 2x2 (www.2x2tv.ru) (gehört der Mediaholding Gazprom-Media)
  • TV3 (www.tv3russia.ru) (gehört der Mediaholding Gazprom-Media)
  • RTVI (https://rtvi.com/)

Regionale Sender

    In jeder Region gibt es von fünf bis 15 Fernsehsender (das hängt von Regionsgröße und -reichtum ab).

Radio

Staatliche Sender

Private Sender

Printmedien

Zeitungen

Zeitschriften

Nachrichtenagenturen

Staatliche Agenturen

Private Agenturen

Online-Nachrichten

Wie regionale Printmedien sich ändern

Von: Julia Poljakowa, (2011)

Wenn ein Mann in die Redaktion einer der ältesten öffentlich-rechtlichen Zeitungen im Gebiet Krasnojarsk, die schon 105 Jahre alt ist und unzählige Auszeichnungen hat, vor 25 Jahren gegangen wäre, wäre er überrascht gewesen. In der Redaktion arbeiteten etwa 80 fest angestellte Journalisten, die das Gebäude und die Druckerei zur Verfügung hatten. Die Zeitung erschien jeden Tag, hatte ungefähr 100.000 Leser und war auf dem Tisch fast jeder Wohnung, sowie auf dem Tisch jedes Politikers zu finden. Das Abonnement war der größte Teil des Einkommens der Redaktion neben der Bekanntmachung offizieller Gesetze. Eine der größten Straßen in Krasnojarsk ist nach dieser Zeitung benannt.

Wenn jemand dieselbe Redaktion jetzt besucht, bemerkt er, dass viel weniger Mitarbeiter bei der Zeitung arbeiten, die tägliche Auflage nur noch bei etwa 10.000 liegt. Nur eine Etage im oben erwähnten Gebäude wird noch von den Journalisten benutzt. Dazu kann man sehen, dass es einen ständigen Kampf ums Überleben mit verschiedenen Mitteln gibt: die Entwicklung der Internetseite, die Suche nach neuen Werbepartnern, die Gründung von anderen Printprodukten. Es gibt nicht viel Werbung, weil die potentiellen Werbekunden glauben, dass die Zeitung alt ist, noch aus der sowjetischen Zeit stammt und dass hauptsächlich alte Leute sie lesen. Man weiß, dass die Rentner in Russland kein Interesse bei Werbekunden erwecken können, weil sie niedrige Pensionen bekommen. Darüberhinaus hat die Regierung nun eigene Zeitungen für Gesetze gegründet und unterstützt die Zeitung daher nicht. Ein anderes Problem ist die Verteilung der Zeitung. Die Russische Post und die Kioske haben die Preise für ihre Dienste erhöht. Wie kann man seine Leser erreichen, wenn die Lieferung der Zeitung mehr kostet als die Zeitung selbst? Eine andere Sache, die gefährlich für die Printmedien ist, ist, dass immer mehr Leute auf Zeitungen zugunsten von Internet, TV und Radio verzichten. Es ist fast unmöglich, zwischen Leuten, die Internet und Fernsehen haben, einen Menschen zu finden, der Zeitungs-Abonnent ist oder sie absichtlich kauft. Was Zeitschriften betrifft, sieht die Situation ähnlich aus. Es gibt weniger regionale Printmedien, aber dafür viele kostenlose Werbezeitschriften und Zeitungen mit gelben Artikeln. Zusammenfassend muss man sagen, dass es zwischen regionalen öffentlich-rechtlichen Zeitungen im großen Gebiet Krasnojarsk nur eine private Zeitung und zwei, die der Regierung gehören, gibt.



Stand: September 2018